Beitrag vom Jahresbericht der KEB
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Der zeitliche Rahmen des Überganges zur Elternschaft umfasst die Schwangerschaft sowie das erste Lebensjahr des Kindes; wobei die Zeit zwischen dem letzten Drittel der Schwangerschaft und dem Zeitpunkt, wenn das Kind drei Monate alt ist, als der wichtigste Zeitabschnitt dieses Übergangsprozesses (Nickel, 1999) angesehen wird. Ab dem 6. Schwangerschaftsmonat ist nämlich von einer Konkretisierung des Familienzuwachses auszugehen (Gloger-Tippelt, 1988), beispielsweise erlebt durch die zunehmenden Bewegungen des Kindes, das so für die Eltern eine immer deutlichere Gestalt annimmt (Nickel, 1999). Wenn das Kind drei Monate alt ist, hat sich oft eine erste Orientierung und Anpassung an die neue Situation herausgebildet (Nickel, 1999), so dass von einer neuen Stabilität ausgegangen werden kann. Weiterhin zeigt sich, dass ab diesem Alter Beobachtungen und Aussagen über die Beziehungsqualität (Keller, 2007) zwischen dem Kind und seinen Bezugspersonen möglich und angemessen sind.
Zu Beginn der wissenschaftlichen Diskussion wurden die Veränderungen, welche mit dem ersten Kind bei allen beteiligten Personen eintreten, oft einseitig in einem Krisenkonzept zusammengefasst, welches die Belastungen, die für Mutter, Vater und die Paarbeziehung auftreten können, in den Mittelpunkt stellte (Dyer, 1965; LeMasters, 1957). Neuere Ansätze betonen zum einen eher die Aufgaben- und Entwicklungschancen, die einer solchen Veränderung innewohnen, ohne mögliche Schwierigkeiten auszublenden (Miller & Sollie, 1980). Zum anderen treten verstärkt ressourcenorientierte Aspekte in den Mittelpunkt, indem zunehmend auch die positiven Seiten diese Überganges betrachtet und untersucht wurden. Es wurden weiterhin Prozessmodelle zur beginnenden Elternschaft entwickelt (z. B. Gloger-Tippelt, 1985, 1988), welche allerdings häufig eine unzutreffende Normativität suggerieren und sich inhaltlich oft ausschließlich am körperlichen und psychischen Erleben der Frau orientieren.
Studien, die sich beispielsweise explizit mit dem werdenden Vater auseinandersetzen, finden sich eher selten (z. B. Borke, 2008; Fthenakis, Kalicki & Peitz, 2002). Eine der wenigen Ausnahmen stellen hier die Studien von von Klitzing et al. (1998; 1999) dar. Sie untersuchten 41 zukünftige Eltern während der Schwangerschaft mit dem ersten Kind. Diese wurden über ihre subjektive Sicht zur Elternschaft sowie über das zukünftige Kind befragt. Diese Einschätzungen wurden dann in Verbindung mit Eltern-Kind-Videobeobachtungen gebracht, die gemacht wurden, als das Kind 4 Monate alt war. Dabei konnten sie unter anderem zeigen, dass die Säuglinge umso fähiger waren, eine kompetente und befriedigende Kommunikation mit beiden Eltern einzunehmen und zu gestalten,
Diese Ergebnisse unterstreichen nochmals die Bedeutsamkeit des Vaters.
Wie nun genau dieser Übergang von den Männern und Frauen erlebt wird und wie sich die daraus erwachsenen Einflüsse auf das Kind und seine Entwicklung auswirken, ist natürlich von Familie zu Familie sehr unterschiedlich und von einer Fülle unterschiedlichster Faktoren abhängig.